Wissenschaftler fordern globales Insektizid-Verbot

232 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben einen im „Science“-Magazin erschienenen Apell unterzeichnet, der die Politik weltweit dazu auffordert den Einsatz von Neonnikotinoid einzuschränken. Denn diese Insektizide würden nachweislich auch nützliche Arten wie Bienen und Marienkäfer gefährden.

Neonikotinoide werden synthetisch hergestellt und zählen zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Chemikalien im Pflanzenschutz, auf Äckern, aber auch in Gärten und Parkanlagen. Häufig wird das Gift als Saatgutbeizmittel genutzt, Landwirte versprühen es im Zuge der Bewässerung auf Feldern. Als Giftgranulat für den Garteneinsatz gibt es diese Pflanzenschutzmittel ebenfalls. Mit ihnen behandelte Nutz- oder Zierpflanzen nehmen das Gift über ihre Wurzeln auf und verteilen es bis in die Stängel und Blätter. Auf Insekten wirke der neurotoxische Stoff dann wiederrum wie ein Nervengift.

Ebenfalls problematisch: Die Gifte sind sehr langlebig. Die Autorinnen und Autoren des Apells schreiben dazu, dass sich erhebliche Rückstände in Böden, Wildblumen, Flüssen und Seen finden ließen. Eine neue Studie habe gezeigt, dass in 75 Prozent der weltweit gesammelten Honigproben Spuren von Neonikotinoiden enthalten waren.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern daher nun, dass der Einsatz des Giftstoffes auf nationaler und internationaler Ebene stark beschränkt werden müsse. Dabei dient die EU als Vorbild: Mit einer knappen Mehrheit haben die Staaten Ende April für ein weitergehendes Freilandverbot der als bienenschädlich geltenden Neonikotinoide gestimmt. Die Stoffe dürfen demnach nur noch in Gewächshäusern eingesetzt werden, auf Äckern sind sie verboten. Solche Verbote reichen nach Ansicht der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch nicht aus. Für einen nachhaltigen Schutz von Insekten müsse bei der grundlegenden Ausrichtung der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelproduktion angesetzt werden. Es sei jedoch ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-05/neonikotinoide-insektensterben-bienen-artenvielfalt-science-agrarpolitik-pestizide-pflanzenschutz

Zurück