Japan akzeptiert UN-Auflagen der Fukushima-Opfer

Zwei Frauen kämpfen zehntausend Kilometer voneinander entfernt für einen verantwortungsvolleren Umgang mit der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima. Jetzt haben sie einen ersten Erfolg errungen.

Mizue Kanno lebte vor dem Atomunfall in Shimo-Tsushima, einem kleinen Dorf nahe der Stadt Namie, 32 Kilometer westlich von Fukushima. „Nach dem Atomunfall herrschte bei uns in Namie Chaos“, erzählt sie. „Wir waren 32 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt und dachten lange Zeit, wir wären sicher. Die Straßen waren voll mit Menschen, die aus unmittelbarer Nähe des AKWs zu uns geflohen waren. Mehrere evakuierte Familien wurden in unserem Haus untergebracht. Am 15. März, fünf Tage nach der ersten Explosion im Atomkraftwerk und über 24 Stunden nach der dritten, kamen plötzlich Männer in Schutzanzügen und Atemmasken und sagten, die radioaktive Wolke sei längst über unser Dorf hinweggezogen, und wir müssten so schnell wie möglich unser Haus verlassen.“ Mit den anderen evakuierten Frauen klagt sie nun vor dem Hohen Gericht in Tokyo.

Im September letzten Jahres besuchte Mizue Kanno zusammen mit Greenpeace-Aktivisten zum ersten Mal seit sieben Jahren ihr verstrahltes Haus. Das Ergebnis: Eine Rückkehr ist unmöglich. Zwar können Häuser und ganze Straßenzüge für eine gewisse Zeit von Radioaktivität gereinigt werden, es besteht dennoch die Gefahr, dass hochstrahlende Cäsiumpartikel etwa aus den Bergwäldern ringsum wieder in Wohnzimmer wehen. Das Video, wie Frau Kanno ihr Haus besucht finden Sie hier.

Die Zweite der beiden Hauptakteurinnen ist Akiko Morimatsu. Sie lebte vor dem Kernunglück in einem 58 Kilometer von Fukushima entfernten Dorf. Heute steht sie in Genf vor dem Menschenrechtsgerichtshof der UN und berichtet den Delegierten von ihren Erfahrungen. Wie sie damals mit ihren beiden drei Monate und drei Jahre alten Kindern evakuiert wurde und dass sie nicht gezwungen werden will, aus finanziellen Gründen in ihr unsicheres Heimatdorf zurückzukehren. „Ich hoffe sehr, dass sich die Politik meines Landes, die Diskriminierung der Fukushima-Opfer in meiner Heimat jetzt mit der Annahme der UN-Auflagen ändert, und dass das heute nicht nur leere Worte waren“, so Morimatsu.

Ihren ersten Erfolg konnten die Aktivisten 2017 verbuchen: Nach jahrelanger Arbeit war es ihnen gelungen, den menschengefährdenden und ignoranten Umgang Japans mit der Strahlengefahr in der Menschenrechtskommission der UN (UNHRC) in Genf zu thematisieren. Daraufhin stellten etliche UN-Mitgliedsländer, unter anderem Deutschland, Forderungen an Japan, um die Bevölkerung besser vor den gefährlichen Strahlen zu schützen – vor allem Frauen und Kinder. Und heute, bei der offiziellen jährlichen UNHCR-Sitzung in Genf, erklärte Japan, sämtliche dieser Forderungen anzunehmen und umzusetzen.

Quelle: https://www.greenpeace.de/themen/energiewende-atomkraft/atomunfaelle/aufstand-der-frauen

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