Gentechnik? Ja, bitte!

Zumindest, wenn es nach Detlef Weigel geht. Der renommierte deutsche Forscher scheut den öffentlichen Diskurs nicht und meint sogar: „Bio“ kann die Welt nicht retten, Gentechnikpflanzen dafür schon.

Detlef Weigel, Direktor am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen sowie Professor am Salk Institute in La Jolla (Kalifornien) und an der Universität Tübingen. erforscht, wie Gene die Eigenschaften von Pflanzen steuern. Die Gentechnik bringt in die Landwirtschaft Deutschlands grundlegende Änderungen: Künftig lassen sich manche gentechnisch veränderten Pflanzen nicht mehr von konventionellen Züchtungen unterscheiden. Die Frage ist, ob sie dennoch weiter nach Gentechnikgesetz reguliert werden oder wie herkömmliches Getreide, Obst und Gemüse behandelt werden sollten.

Wie viele Diskurse unserer Zeit findet auch dieser in großen Teilen nicht im realen Leben, sondern auf Twitter, einem Online-Kurznachrichtendienst, statt. Detlef Weigel legt sich hier eifrig mit Gentechnikgegner (hauptsächlich Grünen-Politiker) an.

So schreibt die ehemalige Grünen-Vorsitzende Simone Peter, dass gentechnisch veränderte Pflanzen, die unveränderten Züchtungen gleichen, weiterhin gekennzeichnet werden sollten. Weigel kontert damit, dass die Züchtungen identisch seien, alles andere zu behaupten sei „Volksverdummung“. In den USA wird in diesem Punkt schon keine Unterscheidung mehr gemacht, in der EU wird der Europäische Gerichtshof bald darüber entscheiden. In anderen Tweets warf Weigel Renate Künast und anderen Grünen unwissenschaftliche Argumentationsweise vor. „Ich finde es einfach verstörend, dass die Grünen beim Thema Gentechnik fernab aller wissenschaftlichen Erkenntnisse argumentieren. Beim Klimawandel berufen sie sich auf den wissenschaftlichen Konsens - was ich unterstützte - und betreiben dann bei der Gentechnik reine Prinzipienreiterei.“ So Weigel.

Außerdem seien viele Aussagen der Gentechnikgegner erwiesenermaßen falsch. Weigel zufolge befürworten alle großen Wissenschaftsakademien die Gentechnik in der Pflanzenzucht – sie würde auch bereits seit über 20 Jahren in Indien, in China und in Amerika eingesetzt. Es gibt keine einzige Studie, die einen Schaden bei über hundert Millionen Menschen belegt, die in dieser Zeit genveränderte Pflanzen gegessen haben.

In der Gentechnik sieht Weigel sogar eine Möglichkeit, umweltschonender anzubauen: „Mit gentechnisch veränderten Pflanzen lässt sich die Pestizidmenge senken, der Ertrag steigern und Fläche sparen. Wir könnten auch den ursprünglichen Geschmack von Tomaten wiederherstellen, weil wir inzwischen wissen, welche Geschmacksgene bei der Züchtung verloren gegangen sind. Oder alte Apfelsorten robuster machen. All das kann zu einer umweltfreundlicheren Landwirtschaft mit besseren Produkten beitragen.“ Dies ist Weigel zufolge eine wesentlich erfolgsversprechendere Herangehensweise: In kleinem Maßstab ist Biolandbau sinnvoll. Bei mir zu Hause im Garten versuche ich auch, möglichst wenig zu spritzen. Global gesehen ist er in Anbetracht der wachsenden Weltbevölkerung aber keine Option. Mit Biolandbau könnte auf der bisher verfügbaren Fläche nur ein Bruchteil der Erträge erwirtschaftet werden. Wir müssten dann vermehrt Wälder roden. Felder müssten intensiv gepflügt werden, was Böden und Bodenorganismen schadet. Und auch der Biolandbau setzt Spritzmittel und Dünger ein, die nicht immer harmlos sind. Er nutzt beispielsweise in großem Maßstab Kupfer, ein anorganisches Schwermetall.“

Als alleinige Lösung für das Welthungerproblem sieht Detlef Weigel die Gentechnik jedoch nicht, sie könne lediglich ihren Teil dazu beitragen. Wenn ein Bauer in Afrika einen bestimmten Prozentsatz seiner Erträge an einen Großgrundbesitzer abgeben müsse, würde eine gentechnisch veränderte Nutzpflanze daran nichts ändern. Sie könne aber dafür sorgen, dass er mehr erntet und somit mehr für ihn übrigbleibt.

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/gentechnisch-veraenderte-lebensmittel-herr-weigel-fuehrt-die-gruenen-vor-a-1205755.html

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