Geiersterben in Afrika

Eigentlich werden Geier kaum gezielt abgeschossen. Trotzdem sterben die Vögel durch die unmittelbaren Folgen der Großwildjagd.

Die Jagd ist ein umstrittenes Thema. Die einen sehen es als blutrünstiges, egoistisches Vergnügen der Reichen an, für die anderen ist der Jagdtourismus eine Finanzquelle für Nationalparks. Doch nun hat ein Team der Universität in Kapstadt im Wissenschaftsmagazin „Science oft he Total Environment“ eine Studie veröffentlicht, die die unzweifelhaften, schädlichen Folgen auf die Natur nachweist.

Dazu untersuchten die Wissenschaftler in Botswana 560 Geier. Ein Drittel der untersuchten Tiere wies dabei einen erhöhten Bleigehalt auf. Der Schadstoff hatte sich also von der mit Blei angereicherten Munition über den Kadaver auf die Geier übertragen und diese so vergiftet. Die Studie ist nicht die erste ihrer Art: Schon 2012 wurde in Amerika ebenfalls eine erhöhte Bleikonzentration bei dem seltenen kalifornischen Kondor nachgewiesen. Und Schätzungen zufolge sollen auch in Großbritannien zwischen 50.000 und 100.000 Schwäne und Gänse durch Bleimunition sterben, weil sie die Bleikügelchen für Nahrung halten und fressen. Umweltschützer fordern deshalb schon länger ein weltweites Verbot von bleihaltiger Jagdmunition. Ebenfalls eine große Rolle beim Geiersterben spielt das entzündungshemmende Medikament Diclofenac: Fressen die Vögel tote Tiere, denen das Mittel jüngst verabreicht wurde, sterben sie.

Die Geier sind jedoch weiterhin besonders bedroht, da vergiftete Nahrung nicht die einzige Bedrohung für die seltenen Vögel ist. Es kommt immer wieder zu gezielten Vergiftungen von Geiern, etwa durch ansässige Bauern oder durch Kriminelle, die ihre Körperteile für den Einsatz in der traditionellen Medizin verkaufen wollen. Auch Wilderer töten die Tiere absichtlich, da über illegal erlegtem Großwild kreisende Geier Ranger auf die Fährte der Kriminellen locken. Weltweit soll es schätzungsweise noch 270.000 Geier geben.

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/geier-in-afrika-sterben-an-blei-vergiftung-warum-a-1198677.html

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