Europas ältester Urwald in Gefahr

Der Bialowieza-Urwald ist das Herzstück des gleichnamigen Nationalparks und stand für fast 9000 Jahre unberührt. Seit 2012 legt Polens Regierung jedoch kräftig die Säge an das Unesco-Weltkulturerbe an. Vergangenen Herbst stoppte der Europäische Gerichtshof die Abholzung. Wie es jetzt weitergeht ist unklar.

Laut Polens Regierung sei die Abholzung nötig, um einen laufenden Borkenkäferbefall einzudämmen. Außerdem bedeute jeder Kubikmeter Brennholz, dass weniger schmutzige Kohle aus Weißrussland importiert werden müsse. Ursprünglich sollten bis 2023 etwa 63.000 Kubikmeter Holz geschlagen werden, doch 2016 erhöhte Polens Regierungspartei PiS die Menge um 125.000 Kubikmeter. Umweltschützerin Joanna Pawluskiewicz von der Organisation zur "Verteidigung Bialowiezas" meint dazu: „Viele der Bäume sind mehr als hundert Jahre alt. Wir haben wie Umwelt-Primitivlinge unser eigenes Naturerbe abgeschlachtet.“. Zu den Borkenkäfern meint sie: „Das ist eine Lüge. Den Befall kann der Wald selbst regulieren.“

In Deutschland gab es in der Mitte der Achtziger einen ähnlichen Fall: Gut 20 Jahre lang kam es im Bayerischen Wald zu einem massiven Borkenkäferbefall, der weite Teile des Waldes vernichtete. Dort entschloss man sich zu konservativen Eindämmungsmaßnahmen in den Randgebieten des Waldes und ließ den Käfer ansonsten wüten. Bald zeigte sich: Der vermeintliche Kahlfraß verjüngte und erneuerte den Wald, der seit einigen Jahren in alter Ursprünglichkeit neu heranwächst. Viele Experten sagen: artenreicher und widerstandsfähiger als zuvor.

Das rigorose Roden des Waldes rief Mitte letzen Jahres schlussendlich die EU-Kommission auf den Plan. Diese erhob nach einer schriftlichen Abmahnung Klage gegen Polens Regierung vor dem EuGH. Erst nach der Androhung von empfindlichen Strafzahlungen stellte Polen die Sägearbeiten im Dezember vorerst ein. Der umstrittene Umweltminister Jan Szyszko wurde ausgewechselt. Sein Nachfolger Henryk Kowalczyk sicherte zwar zu, sich an das in den kommenden Wochen erwartete EuGH-Urteil zu halten, die Aktivisten sind jedoch skeptisch. Den Wald könne nur die Umwandlung in Nationalparkgebiet schützen, meinen sie.

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bialowieza-ist-polens-letzter-urwald-noch-zu-retten-a-1194210.ht ml

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