Erkenntnisse aus dem Nachhaltigkeitskongress: Fast Fashion geht auch slow

Fast Fashion ist inzwischen zur alltäglichen Realität geworden – Wegwerfmode, Bekleidung zu Dumping-Preisen, hergestellt mit bedenklichen Chemikalien und zu nicht weniger bedenklichen Arbeitsbedingungen. Und das alles nur, um ein schlagkräftiges Verkaufsargument zu bedienen: einen möglichst niedrigen Preis. Ketten wie Primark, Tally Weijl und Kik sind bekannt dafür. Ändern kann man an den Produktionsbedingungen wenig, aber über unseren Umgang damit können wir entscheiden.

Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer vom Nachhaltigkeitskongress „Facing the Fashion Paradigm Shift – The Relevance of Sustainability“, der vor kurzem in Berlin stattfand. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Schwedischen Botschaft, dem Swedish Institute und der hessnatur Stiftung. Unter den Anwesenden, darunter Königin Silvia von Schweden, MaterialforscherInnen, Mode-ProfessorInnen, AutorInnen und die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Marke Filippa K, wurden Fragen und Möglichkeiten, das aktuelle System aus Modeketten und kurzlebiger Kleidung umzugestalten, diskutiert.

Dabei kam man zu dem Schluss, dass Nachhaltigkeit von vielen Verbrauchern und Produzenten für unbequem und zu aufwändig gehalten wird. Trotzdem gibt es aber bereits jetzt viele Wege, Fast Fashion langsamer zu gestalten.

Dies zeigte zum Beispiel Rebecca Earley, Textildesignerin und Professorin an der University of the Arts in London. Sie hat das Projekt „Top 100“ initiiert, bei dem sie 100 Polyesterblusen aus Second-Hand-Läden neu gestaltet und ihnen so ein zweites Leben ermöglicht. Durch die Wiederverwertung möchte sie die Tragephase von Kleidungsstücken verlängern und macht nebenbei auch die Mode billiger Ketten etwas nachhaltiger.

Auch das Hamburger Unternehmen Kleiderei trägt zur nachhaltigeren Nutzung von Bekleidung bei – es verschickt gegen einen Monatsbeitrag Kleiderpakete, deren Inhalt man nach vier Wochen zurückschicken kann, aber nicht muss.

Weitere Beispiele von Unternehmen, die etwas verändern wollen, sind der Turnschuh-Onlineshop Karma Classics, die nur auf Bestellung produzieren, und das Label Honest by, das alle Arbeitsschritte, Kosten u. ä. für den Verbraucher transparent macht.

Der Kongress hat also offenbart: Es gibt bereits jetzt viele Lösungsansätze, die Konsumenten müssen sie nur nutzen.

 

Quelle: http://www.welt.de/icon/mode/article158688679/Sogar-die-Bluse-von-Primark-kann-nachhaltig-sein.html

Zurück