Die unabsehbaren Folgen von Fukushima

Die unabsehbaren Folgen von Fukushima

Dass auch die besten Wissenschaftler die Folgen für Mensch und Umwelt einer so schweren Katastrophe wie der von Fukushima nicht immer voraussehen können, zeigt eine neue Studie: Forscher haben 6 Jahre nach dem Kernkraftwerk-Unglück radioaktives Cäsium in der Umgebung um die Reaktorruine herum gemessen. Die höchsten Werte fanden die Experten dort, wo sie es nicht vermutet hatten.

"Niemand hat erwartet, dass die höchsten Konzentrationen von Cäsium in Ozeanwasser heute nicht im Hafen des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi zu finden sind, sondern in unterirdischem Wasser viele Meilen entfernt unter dem Sand der Strände", sagte Virginie Sanial von der Woods Hole Oceanographic Institution (US-Staat Massachusetts). Die Werte seien bis zu zehn Mal höher gewesen als im Hafen des Reaktors. Nur im Reaktor selbst und in dessen Wassertanks seien höhere Werte zu finden. Wissenschaftler vermuten, dass das verstrahlte Wasser über Wellen und Gezeiten entlang der Küste ausgebreitet wurde. Das Cäsium 137 habe sich schließlich an die Sandkörner am Strand und im Brackwasserbereich geheftet. Über die Jahre hinweg habe weniger radioaktiv verseuchtes Salzwasser den radioaktiven Schadstoff wieder ausgespült. Ken Buesseler, ebenfalls von der WHOI, vergleicht die Sandkörner mit einem Schwamm, der 2011 das Cäsium aufgesogen habe und nun langsam wieder geleert wird.

Die WHO empfiehlt als höchstzulässige Radonkonzentration in Neu- und Altbauten 100 Becquerel pro Kubikmeter, im Brackwasser um Fukushima herum wurden bis zu 23.000 Bq/m3 gemessen. Das Forschungsteam weist außerdem darauf hin, dass die neuen Erkenntnisse über diese unerwartete Ausbreitung des radioaktiven Abfalls zu einer Änderung des Küstenmanagement führen müssen. Denn die Umweltbelastung geht nicht alleine von den Kernkraftunglücksstellen aus: Von den weltweit 440 aktiven Kernreaktoren liegt etwa die Hälfte an Küsten.

Da das Cäsium 137 eine Halbwertszeit von 30 Jahren hat, wird es höchste Zeit, damit anzufangen.

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fukushima-forscher-finden-caesium-137-an-japans-straenden-a-1170955.html

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