Der glibberige Tausendsassa

Die globalen Klimaveränderung und die damit verbundenen Umwandlungen im Ökosystem Meer haben dazu geführt, dass die Quallen immer weniger Fressfeinde und Nahrungskonkurrenten haben. Dadurch steigt ihre Zahl stetig und unaufhaltsam. Aus der Sicht der meisten Menschen gelten Quallen bisher als nervig und in einigen Fällen sogar gefährlich. Doch nun möchte das europäische Forschungsprojekt „GoJelly“ die Eignung von Quallen als Dünger, Fischfutter oder sogar als Mikroplastikfilter untersuchen.

Dr. Javidpour fasst das Projekt „GoJelly“ in zwei Sätzen so zusammen: „Quallen können Rohstoffe für verschiedenste Verwendungszwecke liefern. Es wäre unsinnig, dieses Potenzial nicht zu nutzen, zumal uns die Biomasse immer wieder direkt vor die Haustür schwimmt. Alleine die eingeschleppte Rippenqualle kommt in europäischen Gewässern auf eine Biomasse von einer Milliarde Tonnen“. Die Europäische Union sieht das anscheinend genauso und bewilligte die Förderung in Höhe von insgesamt 6 Millionen Euro.

Denn die Quallen könnten nicht nur ungenutzte Potentiale besitzen, sondern stellen auch ein immer größer werdendes Problem dar: Da sie meist in riesigen Schwärmen auftreten, haben sie schon Kühlsysteme von an der Küste gelegenen Kraftwerken verstopft oder ganze Fischfarmen innerhalb kürzester Zeit vernichtet. Doch zunächst muss einige Grundlagenarbeit verrichtet werden: Um vorauszusagen zu können, wann und wo es zu einer großen Quallenblüte kommt, müssen die Lebensweise der einzelnen Quallenarten erst einmal zu genüge erforscht werden. Ist dies getan, könnten Quallenschwärme zukünftig abgefangen werden, bevor diese die Küste erreichen.

Die so entstehende Biomasse könnte laut Dr. Javidpour als Fischfutter dienen, um die natürlichen Bestände zu schützen – bisher werden Zuchtfische meist mit gefangenen Wildfischen gefüttert. Eine andere Anwendungsmethode wäre die Quallen als natürlichen Dünger zu verwenden, um eine nachhaltigere Landwirtschaft zu fördern. Weitere Möglichkeiten: Als Collagen-Lieferant, ein in der Kosmetikindustrie sehr begehrter Stoff, den auch Quallen enthalten, oder sogar auf unserem eigenen Speiseteller. Am Vielverprechendsten und auch zukünftig wohl am wichtigsten ist die Einsatzmöglichkeit der Qualle als Mikroplastikfilter, um dem immer größer werdenen Umweltproblem Herr zu werden. Erste Studien haben gezeigt, dass der Quallenschleim den Schadstoff binden kann.

Quelle: https://www.geomar.de/news/article/quallen-ekelig-nuetzlich/

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