Was ist Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit im modernen Sinne heißt, dass nicht mehr natürliche Ressourcen verbraucht werden dürfen als jeweils nachwachsen, sich regenerieren und künftig wieder bereitgestellt werden können. Im besten Fall bezieht sie sich auf ökologische, ökonomische und soziale Aspekte.

Nachhaltiges Denken und Handeln hat sich in den letzten vier Jahrhunderten entwickelt. Es wurde erstmals von Hans Carl von Carlowitz im Jahr 1713 im Zusammenhang mit forstwirtschaftlichen Nutzungen schriftlich formuliert.

Die heutigen Auffassungen und Definitionen zur Nachhaltigkeit ergeben sich aus den weltweiten umweltpolitischen Diskussionen seit dem Zweiten Weltkrieg. Die 1983 von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) beeinflusste die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik maßgeblich.

Die Kommission unter dem Vorsitz der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland hatte den Auftrag, langfristige Perspektiven für eine Entwicklungspolitik aufzuzeigen, die zugleich umweltschonend ist. In ihrem auch als Brundtland-Bericht bekannt gewordenen Abschlussdokument „Unsere gemeinsame Zukunft“ aus dem Jahre 1987 ist das von diesem Leitgedanken inspirierte Konzept der nachhaltigen Entwicklung definiert. Auch der Club of Rome und die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages haben zur Erweiterung des Begriffs Nachhaltigkeit beigetragen.

Heute wird der Begriff Nachhaltigkeit oder auch gleichbedeutend nachhaltige Entwicklung in der Wissenschaft, in der Politik und in der Unternehmenspraxis verwendet. Es konkurrieren in den aktuellen Debatten mindestens drei verschiedene Definitionen:

  • Langfristig stabile Gesellschaften sind zu erreichen, in dem ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht gegeneinander ausgespielt, sondern gleichrangig angestrebt werden. Dieses Verständnis von Nachhaltigkeit enthält den Anspruch, dass diese Ziele für alle Länder der Welt und für künftige Generationen gelten. Diese Definition entstand nach der Arbeit der Brundlandt-Kommission der UN und der darauf folgenden UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992. Dieser Ansatz wurde von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages weiter ausgearbeitet und als ein Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit vorgestellt. Kritiker sehen in der Gleichgewichtung dieser drei Säulen die Beschreibung des Ist-Zustandes und nicht eine Forderung zugunsten einer nachhaltigeren Entwicklung.
  • Nachhaltigkeit dient als Leitmotiv ökologischer Modernisierung. Diese Auslegung prägt auch verschiedene Förderprogramme, d. h. dieses umweltorientierte Begriffsverständnis wird auch mit Hilfe hoher Fördermittel unterstützt. Aus dieser Sicht wurde die UN-Konferenz in Rio 1992 von diversen Umweltverbänden als Fehlschlag kritisiert.
  • Nachhaltigkeit bedeutet nachhaltiges Wirtschaftswachstum im Sinne eines dauerhaften wirtschaftlichen Erfolgs. Diese Position wird vor allem in der wirtschaftswissenschaftlichen und wirtschaftspolitischen Debatte verwendet. Nach Auffassung der Umweltverbände wird der Begriff Nachhaltigkeit hier zu sehr verengt.

Auf kommunaler Ebene ist der Begriff Nachhaltigkeit stark mit den von der UN-Konferenz empfohlenen Lokalen Agenda 21 – Prozessen und Initiativen verbunden.